Ratgeber

Konfliktmanagement in der Arztpraxis

Definition, Konflikttypen, Eskalationsstufen und warum das Thema für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte zunehmend an Bedeutung gewinnt — ein Überblick für Praxisinhaber und ärztliche Leitungen.

Definition

Konfliktmanagement in der Arztpraxis bezeichnet die systematische Erkennung, Einordnung und Lösung von Meinungsverschiedenheiten und Spannungen im Praxisteam. Es umfasst Maßnahmen der Praxisleitung zur Prävention, Analyse und Bearbeitung von Konflikten zwischen Mitarbeitenden oder zwischen Mitarbeitenden und der ärztlichen Leitung.

Abgrenzung

Konfliktmanagement ist keine Mediation im rechtlichen Sinn und ersetzt keine arbeitsrechtliche oder psychologische Beratung. Bei stark eskalierten Konflikten (z. B. Mobbing, Diskriminierung) empfiehlt sich der Beizug externer, ausgebildeter Konfliktberater oder Mediatoren statt einer rein internen Lösung durch die Praxisleitung.

Kerndaten

Anteil MFA, die regelmäßig über Kündigung nachdenken
ca. 30 %
Anteil Kündigungen wegen schlechtem Arbeitsklima
38 % (bei Frauen: Kündigungsgrund Nr. 1)
Kosten einer Nachbesetzung (Rekrutierung, Einarbeitung)
bis zu 40.000 €
Quelle
Best Practice Onkologie; Webcast „Konflikte in Ihrem Praxisteam nachhaltig lösen", Omnicare/Diana Runge, 20.03.2024

Welche Konflikttypen gibt es?

In der Konfliktforschung werden Teamkonflikte häufig nach ihrem Kerninhalt unterschieden. Die folgende Einteilung ist eine verbreitete Systematik und hilft, einen Konflikt vor der Lösung richtig einzuordnen.

Sachkonflikt

Uneinigkeit über Fakten, Methoden oder die richtige Vorgehensweise — z. B. welcher Laborlieferant der beste ist.

Zielkonflikt

Unterschiedliche Prioritäten oder Ziele der Beteiligten, z. B. bei der Dienst- oder Urlaubsplanung.

Verteilungskonflikt

Streit um begrenzte Ressourcen wie Arbeitszeit, Aufgaben oder Zuständigkeiten im Team.

Beziehungskonflikt

Persönliche Spannungen zwischen einzelnen Teammitgliedern, oft unabhängig vom eigentlichen Streitthema.

Wertekonflikt

Grundlegend unterschiedliche Überzeugungen oder Arbeitsstile, die sich schwerer durch Kompromisse lösen lassen.

Der Webcast von Diana Runge geht darüber hinaus auf typische Ausprägungen dieser Konflikttypen speziell im onkologischen Praxisteam ein, inklusive konkreter Kommunikationsempfehlungen je Konfliktpartei.

Wie eskalieren Konflikte typischerweise?

Ein verbreitetes Modell zur Einordnung des Eskalationsgrads ist das 9-Stufen-Modell des Konfliktforschers Friedrich Glasl. Es unterteilt den Verlauf in drei Phasen:

Stufe 1–3

Win-win: rational lösbar

Spannungen, Debatten, verhärtete Standpunkte — meist noch intern durch die Praxisleitung moderierbar.

Stufe 4–6

Win-lose: Koalitionsbildung

Lagerbildung, Gesichtsverlust, Drohungen — hier wird externe Unterstützung häufig sinnvoll.

Stufe 7–9

Lose-lose: eskaliert

Zerstörungsbereitschaft, offene Konfrontation — professionelle Mediation ist hier in der Regel erforderlich.

Quelle: Glasl, F. (2020): Konfliktmanagement. Ein Handbuch für Führungskräfte, Beraterinnen und Berater. 12. Auflage, Freies Geistesleben.

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Häufige Fragen

Gut zu wissen

Konfliktmanagement umfasst alle Maßnahmen zur Prävention und Bearbeitung von Konflikten, oft durch die Führungskraft selbst. Mediation ist ein strukturiertes Verfahren mit einem neutralen, meist externen Dritten und kommt typischerweise bei stärker eskalierten Konflikten zum Einsatz.

Sobald sich Koalitionen bilden, Drohungen ausgesprochen werden oder das Team sich spaltet (Eskalationsstufe 4 und höher nach Glasl), ist ein rationaler Zugang meist nicht mehr allein durch interne Moderation möglich.

Gebräuchlich ist die Unterscheidung in Sach-, Ziel-, Verteilungs-, Beziehungs- und Wertekonflikte. Die Art des Konflikts bestimmt maßgeblich, welcher Lösungsansatz geeignet ist.

Schlechtes Arbeitsklima ist einer der häufigsten Kündigungsgründe bei medizinischen Fachangestellten. Eine Nachbesetzung kann bis zu 40.000 € an Rekrutierungs- und Einarbeitungskosten verursachen, während aktuell nur ein Teil der offenen Stellen neu besetzt werden kann.