Ratgeber

Praxisabgabe und Praxisnachfolge in der Arztpraxis

Definition, Nachfolgemodelle, der Bewertungsprozess und warum das Thema für niedergelassene Onkologinnen und Onkologen zunehmend dringlich wird — ein Überblick für Praxisinhaberinnen und Praxisinhaber.

Definition

Praxisnachfolge bezeichnet den Prozess der Übergabe einer Arztpraxis von der bisherigen Inhaberin oder dem bisherigen Inhaber an eine Nachfolgerin, einen Nachfolger oder eine übernehmende Struktur — etwa eine Einzelperson, eine Praxisgemeinschaft oder ein medizinisches Versorgungszentrum (MVZ).

Abgrenzung

Praxisnachfolge ist nicht gleichzusetzen mit Praxisauflösung. Bei einer Auflösung endet der Vertragsarztsitz ersatzlos, bei einer Nachfolge wird die Versorgung fortgeführt. Eine Nachfolge ersetzt zudem keine individuelle steuerliche oder rechtliche Beratung zum konkreten Übergabeprozess.

Kerndaten

Durchschnittsalter niedergelassener Hausärzt:innen
55,1 Jahre (2025)
Anteil niedergelassener Ärzt:innen 60+ Jahre
rund 34 % (Bundesärztekammer, 2017)
Arztpraxen-Schließungen 2025 in Deutschland
ca. 5.500 (+23 % ggü. 2024)
Jährlicher Nachbesetzungsbedarf (Höchststand)
knapp 16.000 Mediziner:innen bis 2025
Quellen
KBV Arztzahlstatistik 2024/2025; Bundesärztekammer-Statistik (12/2017); ZEW Mannheim & Creditreform, Unternehmensinsolvenzen/-schließungen 2025; Zi-Studie zum ärztlichen Nachbesetzungsbedarf

Welche Nachfolgemodelle gibt es?

Neben der klassischen Einzelübergabe zu einem festen Stichtag haben sich in den letzten Jahren weitere Modelle etabliert — auch weil sich das Berufsbild jüngerer Ärztinnen und Ärzte verändert hat.

Klassische Einzelübergabe

Eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger übernimmt die Praxis vollständig zu einem festen Stichtag und zahlt den vollen Übernahmepreis.

Schrittweiser Übergang

Anteile werden schrittweise übertragen, die bisherige Inhaberin oder der Inhaber bleibt zeitweise reduziert tätig.

Anstellung im MVZ

Die Praxis wird Teil eines medizinischen Versorgungszentrums, ärztliche Mitarbeitende sind dort angestellt statt niedergelassen.

Beteiligungsmodell

Ein strategischer Partner beteiligt sich, oft als Minderheitsgesellschafter, während die ärztliche Leitung vor Ort bestehen bleibt.

Praxisauflösung

Findet sich keine Nachfolge, wird der Vertragsarztsitz aufgegeben — die am wenigsten wirtschaftliche Option für alle Beteiligten.

Welches Modell passt, hängt von Sitzkonstellation, Zeithorizont und persönlichen Zielen ab. Das Webinar geht im Detail auf das Beteiligungsmodell von Omnicare ein, inklusive konkretem Ablauf und typischer Prozessdauer.

Wie wird eine Arztpraxis bewertet?

In Deutschland ist die modifizierte Ertragswertmethode der Bundesärztekammer das gebräuchlichste Verfahren zur Praxisbewertung.

Substanzwert

Der materielle Wert von Inventar und Ausstattung — unabhängig vom Ertrag der Praxis.

Ideeller Wert

Der sogenannte Goodwill, berechnet aus dem bereinigten Jahresüberschuss der letzten Jahre.

Zeithorizont

Vorbereitung idealerweise 5 bis 10 Jahre, konkrete Nachfolgersuche typischerweise 2 bis 4 Jahre vor dem geplanten Übergabezeitpunkt.

Quelle: Bundesärztekammer — Hinweise und Erläuterungen zur Bewertung von Arztpraxen.

Ihre Praxis in guten Händen

Im kostenlosen Webinar zeigen Dr. Kai Severin und Michael Wiederhold konkrete Alternativen zum klassischen Ausstiegsszenario — inklusive Ablauf, Zeitrahmen und Beteiligungsmodell.

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Häufige Fragen

Gut zu wissen

Fachliteratur empfiehlt eine Vorbereitungsphase von 5 bis 10 Jahren vor der geplanten Übergabe, in der Praxiskennzahlen optimiert werden. Die konkrete Nachfolgersuche beginnt meist 2 bis 4 Jahre vorher.

Über die modifizierte Ertragswertmethode der Bundesärztekammer — eine Kombination aus Substanzwert (Inventar, Ausstattung) und ideellem Wert (Goodwill, basierend auf dem bereinigten Jahresüberschuss).

Neben der Einzelübergabe existieren Alternativen wie die Anstellung in einem MVZ oder ein Beteiligungsmodell mit einem strategischen Partner. Ohne Nachfolge droht im schlechtesten Fall die ersatzlose Praxisauflösung.

2025 haben laut ZEW Mannheim und Creditreform knapp 5.500 Arztpraxen in Deutschland ihre Tätigkeit eingestellt — 23 % mehr als im Vorjahr. Nicht jede Schließung ist auf fehlende Nachfolge zurückzuführen, der Anstieg unterstreicht aber die Dringlichkeit des Themas.